2. Newsletter aus der Thierbacher Str. 6

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NO 2 ‖ 09.-15.07.2018


Für alle Menschen, die sich für den Entmietungsprozess in der 
Thierbacher Straße 6 interessieren und aktuelle Informationen zum 
Geschehen haben möchten, gibt es wöchentlich einen Newsletter . 
Darin befinden sich wichtige Fakten – was ist wann wo passiert und 
ein Ausblick auf die nächste(n) Woche(n). Für detailliertere Infos 
sprecht die Bewohner*innen des Hauses bitte persönlich an!

Letzte Woche war krass…

Montag (09.07.) gab es viel zu besprechen.

Dienstag (10.07.) gab es erneut viel zu besprechen, es wurde geplant, 
vorbereitet...

denn Mittwoch (11.07.) fand eine Kundgebung, veranstaltet vom Stura 
Leipzig, gegenüber des Hauses statt. Ab morgens um 7 versammelten sich
 ca. 50 Menschen gegenüber der T6. Es wurde gemeinsam gefrühstückt, 
Kaffee getrunken und diskutiert. Verhandlungen mit dem Ordnungsamt 
ergaben, dass die vorm Haus parkenden Autos dort stehen dürfen, da das 
Parkverbot für eine bestimmte Zeit nicht gelten konnte. Entsprechend 
war es der Gerüstbaufirma nicht möglich anzureisen. Das war ein Erfolg, 
der allen Menschen, die da waren und sich auch außerhalb dessen 
solidarisch zeigen, zu verdanken ist!!! Danke dafür!!! Weiterhin gab 
es viel Interesse aus der Nachbar*innenschaft, Flyer wurden verteilt 
und Gespräche geführt. Das Ansinnen, die Aufmerksamkeit nicht nur auf 
das Haus, sondern die Gesamtproblematik in Leipzig und anderen Städten 
zu lenken, wurde vor allem in persönlichen Gesprächen und 
Redebeiträgen verdeutlicht. Entmietung und Verdrängung sind kein 
individuelles Problem, sondern ein strukturelles, was uns alle etwas 
angeht!!!!

Am Donnerstag (12.07.) kamen die Gerüstbauer pünktlich um 8, ohne dass 
dies den Bewohner*innen  konkret angekündigt wurde. Das Ordnungsamt 
war ebenso wenig informiert und wollte die vorm Haus parkenden Autos 
abschleppen. Erst nach Hinweisen erfuhren sie von der Parksituation, 
welche durch kurzzeitig fehlende Schilder nicht ihrer Informationslage 
entsprach. Bauleiter und Gerüstbaufirma gingen mit harschem Ton und 
entsprechendem Vorgehen ans Werk. Zäune wurden eingerissen, eine Tür 
eingetreten, Menschen von der Straße gedrängt und nicht als 
Gesprächspartner*innen wahrgenommen. Die Stimmung aller von Bauseite 
Agierenden war relativ klar gegen die Bewohner*innen gerichtet, 
selbiges galt für herbeigerufene Ordnungshüter. Es regnete in Strömen, 
was die Stimmung vielleicht am besten widerspiegelt. Am Abend wurde 
sich erneut besprochen und der Tag reflektiert. Danke an 
Einzelpersonen, die vor Ort nachgefragt, zugehört, dokumentiert und 
beobachtet haben!

Am Freitag (13.07.) gab es für alle Interessierten ein Frühstück vorm 
Haus. Präsenz und Ansprechbarkeit und stets ein kritischer Blick sind 
nichts, was Bauarbeiten aufhält, aber auch kein Zeichen sie zustimmend 
hinzunehmen. Dies ist weiterhin ein wichtiger Punkt: Der 
Modernisierung wird in ihrer jetzigen Form widersprochen! Der Umlage 
der Modernisierungskosten auf die Mieter*innen ebenso! Was das im 
Konkreten heißt, lässt sich am besten bei einem Getränk vorm Haus 
besprechen.

Am Samstag (14.07.) gab es keinerlei Bauarbeiten am Haus, was 
entsprechend von den Bewohner*innen genutzt wurde – die Sonne schien!

Am Sonntag (15.07.) fand eine spannende Podiumsdiskussion im Rahmen 
der radical book fair zu Widersprüchen und Perspektiven radikaler 
Stadtpolitik statt. Die Situation in der Thierbacher Straße 6 wurde 
u.a. auch dort diskutiert und publik gemacht. Im Anschluss gab es ein 
gemeinsames Plenum mit „Für das Politische“.


Die nächsten Wochen werden anstrengend. Die geplanten Baumaßnahmen 
sind keine, die üblicherweise in einem voll bewohnten Haus 
durchgeführt werden. Die Strategie dahinter scheint recht klar und ist 
in dieser Form nicht hinnehmbar! Mieter*innen müssen nicht die 
Instandsetzungskosten ihres Hauses zahlen – wenn diese als 
Modernisierung „getarnt“ sind!

Danke an alle Menschen, die Interesse an der Thierbacher Straße und 
den aktuellen stadtpolitischen Vorgängen in Bezug auf 
Entmietungsstrategien haben! Danke an alle Menschen, die sich 
solidarisch mit dem zeigen, was gerade vor Ort (nicht nur in 
Connewitz, sondern überall) passiert! Lasst uns Kämpfe verbinden und 
gemeinsam, wuetend, trotzig, mutig und solidarisch gegen 
Entmietungsprozesse und Verdrängung einstehen!


Für weitere Infos – sprecht Leute an, die ihr kennt! 
Weitere Infos gibt es auch bei facebook:
facebook.com/Entmietung-Thierbacherstraße-6-220539831663727/ 
facebook.com/Entmietung-Thierbacherstra%C3%9Fe-6-220539831663727/

Leipzig für Alle: Aktionsbündnis Wohnen auf der GSO 2018

Am Sonntag waren wir bei der Global Space Odyssey 2018 – einem jährlich stattfindenden kulturpolitischem Umzug. Gemeinsam mit mehr als 1000 anderen Menschen und vielen Crews aus der Clubszene zogen wir unter dem diesjährigen Motto Diversität, Solidarität, Verantwortung tanzend durch die den Straßen.

Dabei ging auch um steigende Mieten und eine Gesellschaft für alle Menschen. Auch die Clubszene und Crews streiten für ein solidarisches Miteinander, für einen fairen Umgang und für die Freiheit und das zeichnet Leipzig aus.

Unser Redebeitrag auf der GSO

Wer wohnt zur Miete?

In dieser Stadt leben fast 90% der Menschen zur Miete. 
In dieser Stadt leben fast 90% der Menschen in einem Abhängigkeitsverhältnis,
einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Besitzern
in deren Häusern sie wohnen.

In dieser Stadt leben mehr als 500.000 Menschen.
Träumen, trinken, tanzen.
Und viele haben auch Angst.
Ganze Häuser voller Angst gibt es.
Wann kommt der Brief?
Mit der erhöhten Mietforderung,
mit der Modernisierungsankündigung,
mit der Kündigung.

Wo gehen wir hin?
Wohin werden wir getrieben?
Bleibt für uns der Rest, den keiner will?
Gibt es noch einen Platz für meine Freundin, mein Fahrrad, meine Kinder?

Wer über Jahre kämpft hat leider oft wenig Erfolge.
Der kann sich eigentlich auch nicht teure Gutachten und Rechtsanwälte leisten.
Der will eigentlich eins.
Leben.
Wohnen.

…und dass die Angst weg ist.
Die Erschütterung des Privaten durch die Gier nachlässt.

Wehren wir uns.
Geben wir nicht auf.
Seien wir trotzig.

Kein Argument kann stechen, wenn es nur um Geld geht.

Was kann das Versprechen auf Besitz ersetzen?

Ein schattiges Plätzchen?
Trinken bei Durst?
Liebe in der Not?
Küsse in der Nacht?
Es geht um das große Geld für wenige.

Es geht darum,
einer Logik des Verwertens und
des „sich Rechnens“ entgegenzutreten.

Schreiben wir Gedichte.
Singen wir Lieder.
Schlagen wir Rad.
Und streiten um unsere Stadt, die wir gemacht haben.
Mit unserem Leben.

Geben wir nicht unser Kostbarstes anheim, unsere Gemeinschaft.

Solidarität ist einzufordern von den Verantwortlichen.

Mit Nachdruck fordern wir:

Handelt jetzt!
Gegen Mietwucher und Modernisierungswahn.
Für unsere Freiheit in Kreativität.
Für die Räume zu leben.

Liebe deine Stadt!

Treffen am Mittwoch 4.7.2018

Zu unserem alle zwei Wochen stattfindenden öffentlichen Treffen finden wir uns am 4.7. ab 19 Uhr in der Thierbacherstr. 6 im Leipziger Süden ein. Die Hausgemeinschaft dort hat sich seit der letzten Woche aktiv gegen die Einrüstung und damit gegen die Durchführung von zweifelhaften Modernisierungsmaßnahmen gewehrt. Wir zeigen uns solidarisch. Kommt vorbei!